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Der Hofthiergarten

Der Hofthiergarten ist als Weiler ein Ortsteil von Stadtprozelten. Er liegt auf einem Hochplateau 150 Meter über der Stadt und hat eine gute Sichtverbindung zu gegenüberliegenden Henneburg.

Der Hofthiergarten liegt auf einer Rodungsinsel im Spessart. Der Versorgungshof lag in engem Kontakt zur Henneburg.

Die Entstehung des Versorgungshofes
Im Mittelalter rodete man in der näheren Umgebung des Schlosses Prozelten Waldflächen um Bauernhöfe und Dörfer mit Leibeigenen anzulegen.
Der Hof Thiergarten umfaßte 300 Morgen Land, das entspricht 60 ha Ackerfläche. Zeitgleich entstanden der Gußhof (bei Breitenbrunn) und der Häuserhof (Wüstung bei Faulbach). Die Höfe bildeten eine eigene Flur außerhalb des Dorfverbandes.Sie wurde jeweils an einen wechselnden Hofmann über mehrere Jahre verpachtet. Der Hofmann unterstand direkt der jeweiligen Herrschaft. Unter dem Deutschen Orden ist 1379 in einem Zinsregister die erste namentliche Erwähnung des „Dirgarten“ zu finden. Der Name Thiergarten könnte auch auf die Haltung von Jagdwild für die Burgherren hinweisen, was aber nicht belegt ist. Dokumentiert dagegen ist, dass hier einst 300 Schafe gehalten wurden. Die drei Versorgungshöfe gingen 1484 mit vielen anderen Besitztümern der Kommende Prozelten im Tausch an den Kurfürsten von Mainz. Das Land um die Höfe bekam zur Abgrenzung eigene Steine mit dem Mainzer Rad.

Die Aufteilung in vier Einzelhöfe
Erst vor 300 Jahren durfte der damalige Pächter des Hofes Thiergarten Johann Häfner und seine Frau Kunigunde den Hof an ihre Kinder weitervererben. Besitzer waren sie damit noch nicht, denn sie mussten weiterhin Erbpacht bezahen. Die Erbpachts-Urkunde von 1691 ist noch in Familienbesitz erhalten. Drei Kinder, nämlich Johann Ludwig, Johann Michael und Dorothea erbten den Hof. Die Initialen der Söhne finden sich heute noch am Bildstock an der Straße nach Neuenbuch. Dieser trägt die Jahreszahl 1721. Der Stifteranlaß ist allerdings unbekannt.
Bemerkenswert ist, dass erst 1806 die Leibeigenschaften aufgehoben wurde, d.h. erst dann kamen die Höfe durch Kauf in echten Besitz.

Ein fast 300 Jahre alter Bildstock am Weg nach Neuenbuch

Johann Michael hat den ursprünglichen Hof übernommen und später wurde ein neues, stattliches Wohnhaus errichtet. Es wird heute von der Familie Bleifuß bewohnt.

Das stattliche Bauernhaus der Familie Bleifuß um 1900 Der Hof der Familie Bleifuß heute

 

Haus und Hof der Nachfahren der Dorothea Häfner sind von 1796. Heute ist das Fachwerk freigelegt und 1983 wurde darin die Gastwirtschaft Bauernstube eingerichtet.

Der Hof der Familie Bachmann um 1906. Pferde waren auf den Höfen etwas besonderes Das Fachwerk des Wohnhauses ist freigelegt und eine Gastwirtschaft eingerichtet

Etwa aus der gleichen Zeit dürfte der Hof der Nachfahren des Johann Ludwig sein. Dieser Hof wurde Anfang des 20. Jahrhunderts nochmals geteilt.

Einer der beiden Aussiedlerhöfe, die 1965 in Hofthiergarten gebaut wurden

Doch das wirtschaften im Doppelhof wurde umständlich. Deshalb siedelten beide Familien 1965 mit Hilfe des Programms der bayerischen Landessiedlungen aus. Südlich des Weilers baute die Familie Adolf Bachmann ihren Hof und am Waldrand die Familie Fuchs/ Kappes. Beide Höfe sind aber noch auf der ursprünglichen Hofthiergärtner Flur. Der Doppelhof wurde als Wochenendhaus an ein Familie aus Frankfurt verkauft.

Am gemeinsamen Träke-Teich lag der Doppelhof der Familien Bachmann und Fuchs, Zustand um 1923 Der ehemalige Doppelhof ist heute ein Wochenendhaus

Das heutiges Leben
Der Hofthiergarten hat derzeit 21 Bewohner. Die vier Höfe sind seit elf Generationen immer noch in Familienbesitz. Keiner kann jedoch mehr von der Landwirtschaft leben. Als Nebenerwerb ist so eine Gastwirtschaft enstanden und auf einem anderen Hof wird schon seit fast 40 Jahren Urlaub auf dem Bauernhof angeboten. Eine junge Familie baute 2007 eine neue, kleine Hofstelle auf dem Hofthiergarten. Die Pferdezucht und Kuhhaltung wird nebenberuflich betrieben. Zusätzlich zu den Höfen gibt es noch vier Wohnhäuser.

Die Besonderheiten
Die Höhenlage des Weilers bedeutet längeren Sonnenschein, als im engen Maintal, immer gute Luft und kaum Verkehr. Der Blick geht frei auf das Maintalpanorama und ins Sellgrundtal. Gleich hinter dem Weiler beginnt der Spessart. Der Hofthiergarten ist ein ideales Wanderziel, denn hier kreuzen sich viele Wanderwege, wie der Spessartweg 2, der Höhenringweg R mit dem Europaweg E 8, der Fränkische Marienwanderweg, und der Wanderweg von Aschaffenburg nach Stadtprozelten. In einer viertel Stunde hat man auf einem idyllischen Waldweg die Henneburg erreicht. Nicht viel länger dauert der Weg zum Ortsteil Neuenbuch, einem kleinen Dorf mit Gasthaus. Besonders schön ist hier die Landschaft mit ihrer kleinteiligen, naturnahen Flur. Oberhalb des Weilers Hofthiergarten ist die Zufahrt zum 2006 eröffneten Ruheforst Südspessart.

Mehr über den Ellernhof mit Ferienwohnungen erfahren Sie unter www.hofthiergarten.de

Text und Fotos Stephanie von Loh 2008

Der Weiler Hofthiergarten zur Löwenzahnblüte im Mai

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